Leben ist ein Traum
In der Unendlichkeit,
MEIN Traum!
Leben ist eine Wahrheit
Unter ungezählten Wahrheiten.
Der Klang von Musik
Glutrot am Horizont,
Ich will ihm folgen.
I. WINZIGKLEIN
Die Gasse war schmal und schlecht gepflastert und schlängelte sich an
langen Häuserreihen vorbei den Hügel hinauf, auf dessen Anhöhe sich der
sonnenüberflutete Bau einer alten Kirche befand.
Sein hölzerner Karren mit den vielen Blumen darin ächzte und rumpelte
auf dem Weg nach oben.
Seltsame Stille lag über der Stadt, selbst die Vögel schienen aus den
Bäumen und Hecken der Gärten verschwunden zu sein, als hätten sie niemals dort
zwischen grünen Blättern und Zweigen gesessen und ihren fröhlichen Gesang
verbreitet
Bald schon erreichte er das mächtige Portal des Gotteshauses und
schaute zurück auf die schmale Gasse und die Häuser der Stadt, die im grellen
Licht des Mittags in unwirklichem Glanz verharrten.
Quietschend protestierte der Einlass, als er ihn schwerfällig
aufschob.
Er erinnerte sich an eine Zeit, als er an dieser Stelle stets von dem
schwarz gekleideten Herrn freundlich begrüßt worden war.
Es war eine schöne Zeit gewesen, dachte er bei sich. Nun aber war er
lange schon allein.
Er betrat die Kirche, den hölzernen Karren mit den vielen bunten Blumen
darin eifrig hinter sich herziehend.
Das helle Sonnenlicht drang mühelos durch die schlanken Fenster mit
ihren bunten Glasmosaiken. Dadurch entstanden schöne Lichteffekte an den
steinernen Wänden und den Heiligtümern des Gotteshauses.
Es gab hier niemanden mehr, der für Ordnung sorgte, nur ihn gab es
noch.
Verstohlen blickte er um sich, auf die fremden und reglosen Bilder und
Statuen, die ihm immer etwas lebendig zu sein schienen.
Lange stand er mit offenem Munde dort und schmeckte schließlich eine
einzelne Träne salzig auf seiner Zunge zergehen, bis ihn ein lautloser
Windhauch in die Wirklichkeit zurückholte.
Er schritt durch den breiten Mittelgang auf den Altarraum zu und
näherte sich dem großen Kreuz, das schwindelerregend von der Decke herabhing
und von dem ihm das leidvolle Gesicht des Erlösers Christus entgegenblickte.
Er stellte die Blumen in eine dafür vorgesehene Vase und goß Wasser
hinein, welches er in einem alten Topf bei sich führte. Schließlich kniete er in
der ersten Bankreihe nieder.
Dann sprach er ein kurzes Gebet, das ihn der alte Herr gelehrt hatte.
Sein hölzerner Karren mit den vielen welken Blumen darin ächzte und
rumpelte, als er durch den breiten Mittelgang zurückschritt, dem mächtigen
Portal entgegen.
Da sah er draußen auf dem Vorplatz die ganz in schwarz gekleidete
Gestalt, die ihm langsam entgegenkam:
„Komm, Winzigklein!“, rief der freundliche alte Herr und streckte beide Hände
aus.
Winzigklein war fassungslos.
Noch wußte er nichts von der unglaublichen Odyssee, die ihm
bevorstand.
II. ERNIE
Stell dir mal vor
Du wärst ein Gedanke
Nur eine Illusion
Irgendwo
Verloren im All
Wie ein Irrlicht
In einem unermeßlichen Ozean
Vor deinen Augen
Liefe ein endloser Film ab
Der Zuckerhimmel immerblau
Die festgenagelte Sonne im Zenit
Senkte sich tief in dich
Stell dir mal vor
Du schwebtest hoch über den Wolken
Lichtgebadet
Umgeben vom gleißenden Sternenschein
Warmer Regen käme von nirgendwo
Und fiel auf dich herab
Ohne je ans Ziel zu kommen
Wärst du frei, frei
Stell dir das vor-
Ich weiß nicht, ob du's kannst!
III. ICH
Erinnerst du dich noch?
Da war diese Mauer...
Weißt du noch, wer du bist?
So oft ist da 'ne Mauer
Auf jeder stehen irgendwelche Parolen
Mag sie auch nur aus Luft sein,
Die Mauer!
Abend
Ich laufe durch die große Stadt
Und die Sonne spiegelt sich
In den tausend Fenstern der Wohnblocks
Auf den blanken Maschinen der Fabriken
Aus Menschenhand
Der Sommerhimmel ist noch blau
Der Asphalt warm
Und die vielen bunten Neonreklamen
Machen mich glücklich
Es gibt keine Mauern
Im Land hinter
Nirgendwo
Ernie kommt mir wieder und wieder in den Sinn
Und all die Geschichten
Ich sehe seine schmale Gestalt
Lässig an den Flipper gelehnt
Mir milde zulächelnd
Die Zigarrettenkippe achtlos zu Boden werfend
Er stand mir gegenüber an jenem Abend
Und wir gingen auf den Hügel, zu den leerstehenden Hochhäusern
Und wir stiegen ganz nach oben
Und sahen die Lichterkolonnen der Stadt unter uns-
Battailions of strangers
Wir waren die letzten in der großen Stadt
Die die glutrote Scheibe der Sonne am Horizont untergehen sahen
Und nur von Zeit zu Zeit klangen Geräusche zu uns herüber
Als wir hinausschauten in die Sternenwelt
Damals erzählte Ernie zum ersten Mal
Vom Land hinter Nirgendwo
IV. DAS MÄDCHEN
Das Mädchen mit den traurigen Augen sitzt in seinem großen Zimmer,
umgeben von Puppen, Stofftieren und so viel anderem Spielzeug.
Draußen dämmert es bereits und das Mädchen streicht gedankenverloren
mit seinen Fingern über den flauschigen Teppichboden und betrachtet die vielen
lustigen Bilder an den Wänden.
Der Hausdiener kommt und bringt das Abendessen, zusammen mit einem
großen, bunten Buch.
Dann schließt er sorgfältig die Tür hinter sich ab.
V: ERNIE
Du schaust auf die Uhr
Im Land hinter Nirgendwo
Der Zug ins Nichts ist längst abgefahren
Doch du sitzt auf 'ner Wolke
Und wartest auf den nächsten
Unten laufen die Leute
Und gaffen blöde hoch
Es sind immer dieselben blöden Gaffer
Die da hochgaffen
Die wollen Blut sehen
Die fettesten Schlagzeilen
Sind ihnen gerade gut genug
Doch du siehst nicht mehr hinab
Der Himmel ist blau und es ist warm und hell
und du vergißt sie schnell
Die Gaffer
Irgendwann ist da wieder die Uhr
Die nichts anzeigen kann
Du weißt, daß sie nicht mehr geht
Daß es nicht um sie geht
Schon jahrelang ist das so
Der Zug ins Nichts ist längst abgefahren
Doch du sitzt auf 'ner Wolke
Und wartest auf den nächsten
VI. ICH
Ich sehe
graue Abbruchhäuserwandspruchbänder, Schrebergartengeruch aus der
Ferne: Keiner weiß, wohin, tausend Wege und kein Ziel, immer suchen, niemals
finden, dann und wann ein paar verschwinden, rätselhaft und unbedeutend, am
besten ist noch Unschuld heucheln, auf die Schnauze fällst du sowieso, willst
du leben mußt du tun was alle tun, Thunfisch essen, Cola saufen, tu nicht
trotzen sonst geht das große Kotzen wieder los! BAUZ! Heile-Welt-Schnulzen-Kofferradio
plärrt mich ungeniert, ungefragt, an. Schornsteinschlünde speien grau und grau.
Schwefelgeschmack, auf der Zunge zergehend...
Ich sehe
Die Straßen der Stadt, die Wohnblocks, die spielenden Kinder zwischen
Betonträumen, den alten Mann am Fenster im vierten Stock, den Abfall überall,
die Hinterhof-Klischees, qualmend-graue Schlote, Zentrum der Zivilisation,
Grauzone, die Robotermenschen zur Arbeit hetzen, Tag um Tag, einen Baum, der
kaum noch Blätter hat, Heile-Welt-Plakate-bunt-und-schön, Graffiti,
Grauschleier, Baustellen, Tag um Tag
Ich sehe
Ein Vermummter, schleicht lautlos, schmiert in blutigem Rot Phrasen
ins ewige Grau, sprüht noch mit Farben ein Gebilde an die Wand, sieht ganz
hübsch aus, sah mal so ein Blimenbild in einem alten Buch...
Doch die Schwarzen sind überall, sehen alles.
Plötzlich sind sie da, nehmen den Vermummten mit, machen ihn kaputt,
denke ich.
Vermummter brüllt noch was von 'Freiheit, Blumen' , wird dann in den
schwarzen Wagen gezerrt.
Oben ruft einer runter, man solle doch mit dem Lärm aufhören.
Ich bin müde. Gehe nach Hause.
VII. WINZIGKLEIN
Vor der Treppe, die sich monoton, still, stetig den himmlischen Weiten
entgegenschwang, stand Winzigklein, ganz allein, ganz unten und staunte nur.
Somit begann alles und er betrat die erste Stufe.
Winzigklein, der Mensch, schwebte hinaus in die kosmische Weite und träumte
seinen Traum. Irgendwann war da kein Halt mehr vor ihm und er stand am Rande
des Alls und schaute hinab auf die immerwährend kreisenden Galaxien die sich
vor ihm auftaten, wie ein Sternenweltenbilderbuch.
Er staunte und staunte, während er mehr und mehr Stufen erklomm, auf
der weiter und weiter ansteigenden Treppe, und Sonnen, die wie Augen um ihn
leuchteten, waren seine Begleiter, und die Sehnsucht, die ihn trieb.
VIII. ERNIE
Wünsch dir was
Wenn die Welt dich haßt
Wenn du traurig bist
Wünsch dir was
Wenn die Alltagslast
Dich zu killen scheint
Das Land, wo der Pfeffer wächst
Liegt noch hinterm Land der Dämmerung
Du mußt zur Brücke gehen
Obwohl die Schaukelpferdmenschen
Sich halbtot grinsen
Dort blühen unglaublich hoch
Die Plastikblümchen
Und Kunststoffmännchen
Und bunten Humptydumtys
Und der schneidige Bulle
An der Straßenkreuzung
Kann einem wirklich leid tun
relax
relax
relax
Bei Nichtgefallen Geld zurück
Das waren noch Zeiten!
IX. ICH
„Der große Klau hat längst begonnen“, sagt Ernie,„Die klauen alles,
was sie in die Finger kriegen, am Schluß bist du selbst dran! Im Land hinter
Nirgendwo haben sie noch Keinem das Gehirn geklaut!“
Einer schiebt sich langsam zu uns rüber, habe ihn nicht kommen sehen,
wiederholt sabbernd: „Gehirn geklaut, Gehirn geklaut...“
Ich gähne gelangweilt.
Die Story ist alt und hat schon lange an Grausamkeit verloren.
Man schlägt die Zeitung auf und zu- was soll's?
Idiotisch alles, denke ich.
Ernie guckt ein Loch in die Luft.
Ich pfeif’n lautloses Lied vor mich hin.
X. DAS MÄDCHEN
Das Mädchen mit den traurigen Augen liegt reglos in seinem Bettchen
und schaut in die Dunkelheit.
Am anderen Morgen wird der Hauslehrer kommen und es unterrichten.
Er wird die Tür sorgfältig wieder hinter sich verschließen, nachher,
wenn er gehen wird.
XI. WINZIGKLEIN
Er näherte sich einem kleinen Gesteinsbrocken, der scheinbar ziellos
durchs Universum trieb. Da war kein Zeichen von Leben auf dieser
atmosphärelosen Welt, aber er wußte, daß es ihn nicht umsonst dorthin
verschlagen haben konnte.
Winzigklein ließ sich neben dem einsamen Kreuz im Fels nieder und sah
hinaus zu den Sterneninseln des Alls, und er fragte im Stillen nach Herkunft
und Bestimmung all dieser schweigenden kosmischen Pracht.
Tief in Gedanken versunken, bemerkte er zunächst nicht die Ankunft
Dessen, dem er hier begegnen sollte.
Als Winzigklein das seltsam anzuschauende Wesen sah, das sich neben
ihn gehockt hatte und ihm freundlich etliche Extremitäten entgegenstreckte,
erschrak er zunächst. Doch dann wurde ihm klar, daß dieser „Jemand“ der Grund
seiner Reise sein mußte.
Tatsächlich vernahm Winzigklein die Gedankenimpulse des Ankömmlings,
die sich vor Freude fast überschlugen.
Die Kontaktaufnahme hatte begonnen.
XII. ERNIE
Am Anfang der Zeit
Am Ende der Zeit
Im See der Zeit sind wir gefangen
XIII. ICH
Die alte Fabrik:
Seit ich denken kann, stand sie dort
Als Kinder spielten wir immer
Irgendwo am mächtigen Gebäude
In verlorenen Ecken und Büschen
Zwischen Stahl und Beton
Der schlanke Schornstein
Sticht in den Himmel
Als Symbol früherer Tage
Licht und Schatten
Viele Erinnerungen werden wach
Ein bunter Reigen tobt sich die Straße hinab
Hier und da mahnende zerfurchte Gesichter
Steinern starrend in fröhlich blinkende Kinderaugen
Der gutmütige alte Mann
Mit der Pfeife im Mund
Und den riesenhaften, runzeligen Händen
Der große Platz am Sonntag
Und nur der Wind weht einige Fetzen Papier umher
Die schlank gebogenen Pappeln im Wind
Das Laub der Bäume
An einem kaum mehr faßbaren Spätsommerabend
Das war früher
Die alte Fabrik wird abgerissen
Man zerstört viel schneller, als man aufbaut
Bewußt wird es fast keinem
Ich merke
Auch ein Teil von mir gerät in Vergessenheit
Doch ich kann nichts tun
XIV. ICH
Die Schattenleute waren nicht von hier
Sie standen unter dem morschen Baum
Der seine kahlen Äste sterbend gen Himmel richtete
Am anderen Ende der Straße
Oft sah ich sie dort schweigen
Von meinem kleinen Fenster aus
Einmal wollte ich sogar hingehen
Weiß nicht mehr warum
Als sie dann fort waren
Bin ich doch hingegangen
Sah ihre Spuren
Die in die Wüste führten
Der Abendsonne entgegen
Unter dem mächtigen Stamm
Blühte eine schwarze Rose
Die ich alsbald mit beiden Füßen zerdrückte
XV. DAS MÄDCHEN
Das Mädchen mit den traurigen Augen ist krank.
Der Hausdoktor besucht es und verschreibt eine Medizin.
Sorgfältig verschließt er die Tür, als er wieder geht.
XVI. WINZIGKLEIN
„Du“, sagte der Jemand und ergriff mit zwei seiner tentakelartigen
Gliedmaßen sanft die Hände Winzigkleins, „DU warst der letzte Mensch, der die
Erde verlassen mußte. Du wirst all den anderen folgen, die schon vorausgegangen
sind, in die TRAUMZEIT.“
Winzigklein schwieg und betrachtete sein Gegenüber nachdenklich.
Bald schon hieß es Abschied nehmen.
Der Jemand hatte sich als ein wahrer Freund erwiesen.
Winzigklein wußte nun, daß er nicht allein sein würde, auf seinem
langen und beschwerlichen Weg in die TRAUMZEIT.
Bald schon war da niemand mehr, auf dem einsamen Gesteinsbrocken, der
unbeirrt seine Bahn durch den Kosmos zog, in dem alles Leben in einer unvorstellbaren
Einheit verknüpft war, wie in einem gigantischen Netzwerk.
XVII. ERNIE
Türen schlagen
Und der Regenbogen wartet
Am Ende der Nacht
Klingt die einsame Stimme des Suchenden durch Zeit und Raum
Mein Traum schwelgt in der Vergangenheit
Zu den Wanderern, die gegen den Sturm bis zum Ende gingen
Die Musik verliert sich an so einem Tag
Leute sind komisch
Und all die Kinder im warmen Sommerregen
Draußen am Rande der Stadt
Warten auf ihre Erweckung
Auf die Stimmen junger Propheten
Reit auf der Schlange, Junge
Reite nach Westen, Westen
Wo bringst du uns hin, Fremder?
Treffen uns an der Küste, Mädchen
Morgen schon
Wo bringst du uns hin Fremder?
Das ist ein Gesicht im Spiegel
Und die Landschaft hinterm Fenster
Die merkwürdig verschwommen schaut
Der lange, lange Schlaf, in den ich falle
Und die Träume, im Land hinter Nirgendwo
XVIII. ICH
Das Land der großen Freiheit
Liegt hinter der Mauer aus Blut und Haß
Die uns von unseren Freunden trennt
In uns brennt das Feuer des Lebens
Doch sie ertränken es
Ertränken uns
Ich erhebe den Blick
Über mir formt der Stacheldraht seltsame Gebilde
Ich sehe zwei hohle Augen
Einen Mund mit stählernen Zähnen
Der mich höhnisch anzugrinsen scheint
Das Land der großen Freiheit
Liegt hinter der Mauer aus Blut und Haß
Die uns von unseren Freunden trennt
Werde ich es je erreichen?
IXX. DAS MÄDCHEN
Das Mädchen mit den traurigen Augen ist tot.
Ein langer Trauerzug bewegt sich seiner letzten Ruhestätte entgegen, an
der Spitze das Kreuz und der Sarg mit den goldenen Initialen.
Auf dem Friedhof reicht der Platz nicht aus, für all die Blumen und
Kränze.
XX. ERNIE
Die Freunde sind versammelt
Und das Vogelmädchen oben am Fenster
Fliegt noch nicht herab
Die einsamen Sucher
Laufen raus auf die Highways
Sterne funkeln nachts
Der weiße Adler des Nordens
Sträubt sein Gefieder
Auf den Felsen im Wind
Seine Augen klar wie ein Gebirgsbach
So majestätisch fliegt er einher
Und umspannt die Welt weit unter sich
Mit mächtigen Flügelschlag
An der Schwelle des Traumes
Der so unfaßbar und doch so nah ist
Steht er
Stehen wir alle
Und da ist der fantastische Sommer
Der nie mehr wiederkehrende, unvergleichliche
Und wir sind der Traum
Der Traum ist in uns
Und ich bin du denn du bist ich
Und vielleicht
Wird es niemals wieder so sein
Mit all den Träumen
Und mit uns zweien
XXI. WINZIGKLEIN
Winzigklein stand in der Arena des Lebens, ganz unten, ganz allein, in
der Mitte auf der Bühne, die ein einziger Spiegel war und seltsame Schatten
reflektierte, die wie dunkle Wolken umherschwebten und ihm Furcht bereiteten.
Winzigklein blinzelte ehrfürchtig auf, als von überallher Licht auf
ihn einfiel und ihn zu verzaubern schien.
„Du bist Winzigklein“, hauchte eine Stimme durch das große weite Rund,
oder war es nur der Wind, der sanft über die uralten steinernen Ränge und Türme
strich?
„Du bist Winzigklein!“
Und plötzlich war es Winzigklein, als könne er all die Wesen sehen,
die vor Zeiten einst dort auf den Rängen gejubelt, geschrien und geweint haben
mochten, und er sah ihre bunten Gewänder, hörte ihre Stimmen, blickte in ihre
Gesichter.
Doch schon bald verschwanden sie wieder, gingen verloren wie
Trugbilder aus Raum und Zeit.
Die Arena des Lebens war abermals leer und kalt und steinern und
Winzigklein stand traurig auf der seltsam schimmernden Fläche und bewegte sich
nicht.
„Du bist Winzigklein“, raunte es ein letztes Mal.
Doch da war Winzigklein lange schon fort.
ENDE